ALLERHEILIGEN
Die meisten werden, wenn sie das Wort Allerheiligen hören
oder lesen, an die große Zahl der Heiligen denken, die im Heiligenkalender
verzeichnet sind. Geschichtlich wissen wir: Bereits im 4. Jahrhundert wurde
dieses Fest in einigen Teilen der Kirche gefeiert. Insbesondere die Märtyrer,
Frauen und Männer, die Christus gleich geworden waren in der Hingabe des
Lebens, standen in der Urkirche in sehr hohem Ansehen. Hier spielt aber auch die
Erfahrung eine Rolle, dass Menschen zur eigenen Ermutigung und zur Orientierung
Vorbilder brauchen.
Dann aber es gibt noch einen anderen Aspekt dieses Festes: Wenn Paulus von den
Heiligen in Rom spricht, &045; also alle Glieder der Gemeinde mit Heilige anredet,
dann spricht er mit solchen Worten frohe Botschaft aus. Und zwar diese: Alle
sind berufen, Heilige zu werden! Dabei braucht keiner an seinem eigenen
Unvermögen verzagen; sondern dem, der sich vertrauensvoll mit seinem
Unvermögen, seiner Schwäche, mit seiner Armut den Händen Gottes anvertraut,
dem wird Gott das Heiligsein schenken, - er wird ihm Anteil geben an seinem
heiligen Leben! Und darum liegt im Wort Allerheiligen für uns
alle eine hoffnungsvolle österliche Botschaft!
ALLERSEELEN
Gleich am Tag nach Allerheiligen begehen wir den Gedenktag
Allerseelen. Der erste Gedanke an diesem Tag ist die Erinnerung an liebe
Angehörige, an Freunde oder Bekannte, die schon zu Gott heimgegangen sind. Es
ist ein Tag, der uns in Erinnerung ruft: Sie, die schon heimgegangen sind,
bleiben uns, - wir, die wir noch auf Erden pilgern, bleiben ihnen verbunden.
Und dabei ist uns allen gewiss: Wir alle werden auch einmal den Weg gehen, den
sie bereits gegangen sind!
Der Gedenktag Allerseelen will auch an alle Menschen erinnern, die je auf Erden
gelebt haben. Und indem ich das ausspreche, möchte ich an das Osterbild der
orthodoxen Kirche erinnern. Folgendes stellt es dar: Jesus, der Gekreuzigte und
Auferstandene, ist hinabgestiegen in die Vorzeit; im Bild ist dargestellt: Er
reicht Adam und Eva seine Hand; ein deutliches Zeichen: Er, der Auferstandene,
holt sie und mit ihnen alle, die je gelebt haben und verstorben sind, in die
Anteilnahme an seiner Auferstehung, - in die Teilnahme an der Fülle seines
ewigen, österlichen Lebens! Und darum weckt der Gedenktag Allerseelen nicht nur
die Erinnerung an liebe verstorbene Menschen, sondern auch die Hoffnung an die
österliche Verheißung in uns!
Pater Johannes Kalmer SCJ