Der Aufstand gegen den Hass.
Gedanken zum Weihnachtsfest 2003
Unsere Heilkräfte reichen nicht aus, die Wunden dieser Welt
zu schließen.
Die großen nationalen und internationalen Hilfsorganisationen, die
politisch-diplomatischen Befriedungsbemühungen, die militärischen Einsätze
und die verschärften Sicherheits-bestimmungen kommen an ihre Grenzen.
Man findet keine politischen Lösungen, wenn blinder Hass und Zerstörungswut um
sich schlagen. Man kann mit militärischer Macht keinen abgrundtiefen Hass aus
den Herzen der Menschen herausreißen. Noch so ausgeklügelte Sicherheitssysteme
bleiben anfällig und können einen Terrorismus nicht abwehren, der aus dem
Nichts zuschlägt.
Und die Botschaft von Weihnachten lautet - einmal nicht mit biblischen Worten
gesprochen:
Eine Welt, die sich selbst durch die Hölle jagt, wird in einem Paradies des
Friedens enden.
Das sind großspurige Worte, woran soll man sie messen?
In die Weltgeschichte, die von Menschen geschrieben wird, ist die
Heilsgeschichte, die Gott schreibt, eingeflochten, d.h. Die Verheißungen Gottes
werden immer wieder in der fortschreitenden Menschheitsgeschichte aktualisiert.
Erfüllen und Einlösen bezeichnen einen Prozess, der nicht mehr umkehrbar ist.
Erfüllen und Einlösen sind Garantieworte. Sie stehen für Ereignisse in der
Heilsgeschichte, die sich in unsere Weltgeschichte eingeprägt haben.
In der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus ist jetzt schon erfahrbar, was die
Säulen in einer Heilsherrschaft sind: Versöhnungsstiftende Liebe,
Gerechtigkeit und Frieden, Hoffnung auf das Leben in Fülle, wo Bosheit und
Falschheit, Hass und Misstrauen keinen Platz mehr haben.
In Jesus erweist sich Gott als Retter, Wohltäter, Menschenfreund, Erlöser und
Heiler. Dabei konzentriert sich die Erlösung auf die Rettung aus dem Fangnetz
des Bösen und des Hasses, eine Befreiungsaktion, die letztlich nach biblischer
Überzeugung allein Gott zukommt.
Der durch Hass und Misstrauen vergifteten Menschheit hält Gott auch heute das
Zitat entgegen, das im Prophetenbuch Hosea zu lesen ist: "Wie könnte ich
dich je preisgeben Efraim (Gesamtbezeichnung der Nordstämme im Staat Israel)?
Das bedeutet, Gott kann sein Volk nicht mehr aufgeben, weil er der Garant der
Liebe ist. Gott muss erfüllen und einlösen, was er mit seiner Liebesgeschichte
begonnen hat.
Die Liebesgeschichte Gottes mit Israel, bzw. mit der heutigen Menschheit, ist
der Aufstand gegen den Hass. Was Gott an Weihnachten mit Jesus begonnen hat, ist
das Herabkommen des Reiches Gottes in unsere Weltgeschichte hinein.
Damit beginnt die Wirkungsgeschichte der Gewalt- und Hassbändigung, die Gott
aber nicht an uns vorbei durchführen will. So schafft Gott jetzt schon mit
allen Menschen, die guten Willens sind, ein Klima, in dem der Dienst liebender
Versöhnung Früchte tragen kann und eine Atmosphäre, in der Gewalt und Hass
zurückgedrängt werden.
In den von Misstrauen, Hass und Terror verseuchten Zonen gibt es nach der
Zerschlagung von Friedensprozessen immer auch die Wiederauferstehung der
Friedensbemühungen. Sie sind jetzt schon Bausteine zum Haus des Friedens, das
einmal als erfüllte und eingelöste Verheißung Gottes von der Menschheit
bewohnt wird.