Barbara-Zweige!

Neben dem heiligen Nikolaus ist für viele auch die heilige Barbara in der Adventszeit von Bedeutung. Und doch möchte ich jetzt auf das Leben der Heiligen nicht näher eingehen; vielmehr möchte ich einen Brauch erwähnen, der in seinem Namen an diese Heilige anknüpft. Ich meine die sogenannten "Barbara-Zweige". Der Brauch besteht im folgenden: Am Gedenktag der heiligen Barbara, am 4. Dezember, geht man in den Garten zu einem Kirschbaum, schneidet ein paar Zweige ab, - und stellt diese dann in eine mit Wasser gefüllte Vase. So lässt man sie 21 Tage in einer mäßigen Temperatur stehen; und man wird dann mit Überraschung und Freude erleben, dass die Kirschzweige zum Fest der Geburt des Herrn aufblühen.

Die Symbolik ist tief und vielfältig. Einige Hinweise: Weihnachten ist der Zeitpunkt der längsten und tiefsten Nächte. Der Winter kann uns um diese Jahreszeit bittere Kälte bescheren. Nacht und Kälte aber sind eigentlich keine Hoffnungszeichen; dann aber erleben wir, dass ein Zweig, der doch, als man ihn abschnitt, einen toten, einen erstorbenen Eindruck machte, nach so kurzer Zeit von dreimal sieben Tagen schönste Blüten zeigt; das aber weckt Hoffnung, Freude, - gibt Mut, schenkt Vertrauen.

Mein Rat: Man muss solche Zeichen setzen; in Geduld warten, - um dann ganz persönlich zu erleben: Meine toten Zweige blühen, - sie bezeugen Leben und Schönheit! Sie weisen hin auf das Kind in der Krippe, das uns von Gott geschenkt ist als Zeichen der Hoffnung, als Zeichen des Lebens!

Advent ist eine Zeit der Stille; ob sie es wirklich ist, das liegt an jedem persönlich. Aber Stille gepaart mit der Geduld des Wartens, der inneren Wachsamkeit braucht ein Mensch unbedingt. Nur auf diese Weise bewahrt er eine Antenne für das Geheimnis, - und damit für das Wesentliche, das nach einem Wort im Buch "Der Kleine Prinz" für die Augen unsichtbar ist. - Weihnachten stehen wir vor dem Kind in der Krippe; unsere Augen sehen zwar die Gestalt des Kindes, - aber sein eigentliches Tiefengeheimnis ist für die Augen unsichtbar. Ein Geheimnis aber kann nicht wie zum Beispiel ein Rätsel aufgelöst werden; es kann nur in seiner Unergründlichkeit immer tiefer wahrgenommen werden! Für viele heutige Menschen könnte es wie eine gute Arznei sein zu erkennen: Es ist nicht alles machbar, - das Allerwichtigste vielmehr kann der Mensch nur dankend entgegen nehmen - in Vertrauen!

 

Pater Johannes Kalmer SCJ

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