Lebendiges Brot, das vom Himmel kommt!
Gedanken zu Fronleichnam 2003
Sehr bedenkenswert ist es, dass Jesus sich als Brot, sogar als lebendiges Brot
bezeichnet! Im ersten Augenblick mag uns das stutzig machen; aber wenn wir anfangen zu
überlegen: Brot - Brot ist doch zum Essen da! Zu Essen haben aber ist sogar
lebensnotwendig. - Sagt man von einem Menschen: Dem fehle das tägliche Brot, dann
will man damit sagen, dem mangelt das, was einer unbedingt zum Leben braucht. Im anderen
Fall verhungert er.
Es ist kein Zweifel: Jesus spricht mit diesen Worten über sich, wer er für uns -
für die Menschen sein will. Er verwendet dafür ein Bild, - das Bild des Brotes und des
Essens. Ganz klar: Er will sagen, Brot, Nahrung will ich für euch sein! Deutlich sollten
wir sehen: Er sagt nicht, ich gebe euch ein Brot, ein besonders wertvolles Brot, sondern
ich selbst bin Brot - lebendige Nahrung für euch!
Essen ist ein Wort, besser gesagt: Ein uns bekannter täglicher Vorgang. Ich möchte das,
was Jesus sagt, so wiedergeben: Nehmt mich wie ein Stück Brot in euch auf, nehmt mich
wahrhaft in euer Leben hinein! Lebt von mir, - nährt euren Geist von meinem Geist!
Immer wieder kommt es unter Menschen vor, dass jemand sein Leben wagt für einen anderen
und ihn rettet. In der Tat nennen wir Jesus unseren Retter - unseren Lebensretter und
Erlöser.
Seine Liebe, seine Sorge um unsere Lebensrettung ist so groß, dass er sein eigenes Leben
für uns hingibt. Wer ihn aber in sich, in sein Leben hineinnimmt, der wird daher als
erstes erleben: Wie sehr bin ich doch vom Herrn geliebt! - Diese Erfahrung aber wird
ihm zugleich - in wachsendem Maße - die Augen öffnen, so dass er erkennt, einsieht:
Darauf kommt es ja einzig im Leben an, dass ich der Liebe, - der herzlichen Beziehung
fähig bin: Und zwar mit Jesus und in ihm mit dem ewigen Gott, dem Urgrund allen Seins und
Lebens; - aber dann auch - wie er - mit allen Menschen!
Wenn wir Katholiken an Fronleichnam Prozessionen halten und dabei in der Monstranz den
Herrn in der Gestalt des Brotes durch die Straßen tragen, - den Menschen den zeigen, der
Brot des Lebens für uns alle sein will, dann wollen wir damit unsere Freude und unseren
Dank an den Herrn öffentlich bekunden; aber wir möchten auch die Menschen einladen:
Folgt mit uns zusammen dem Herrn, - nehmt sein Angebot an, - hört auf seine Einladung!
Damit wir alle mehr und mehr anfangen, wie Schwestern und Brüder miteinander umzugehen.
Und ich bin sicher, dann würden wir auch erleben: Mit vielen Problemen, die das Leben
stellt, werden wir Menschen gemeinsam anders, besser fertig werden!
Und auch das Folgende dürfen wir nicht übersehen: Brot vom Himmel ist der Herr! Damit
wird aber unübersehbar: Sein Angebot reicht über alles Irdische hinaus! Wer den Herrn
zur Speise nimmt, der wird hineingeholt in den unsterblichen Ewigkeitsbereich Gottes.
Unmissverständlich sagt daher Jesus: "Wer dieses Brot isst, wird in Ewigkeit
leben!"
Pater Johannes Kalmer SCJ