Leben - bleibendes, ewiges Leben!

Wenn Jesus uns sagt: ,,Dazu bin ich in die Welt gekommen, dass sie das Leben haben, -und es in seiner Fülle haben," dann trifft er mit einer solchen Aussage die tiefste Sehnsucht des Menschenherzens!

Die ganze Bibel dreht sich um das Thema Leben. Die Bibel beginnt mit dem Schöpfungsbericht. Und das heißt: Im Tun der Erschaffung zeigt sich uns der unsichtbare Gott als der, der seine Macht kreativ einsetzt, Leben zu schaffen, - Leben ins Dasein zu rufen! - Und im weiteren Verlauf der biblischen Berichte wird immer wieder deutlich: Unser Gott sorgt sich um das Leben: er heut, - durch Vergebung schenkt er immer wieder neu eine Lebenschance, - ,,ich bin dein Arzt!" so heißt es ausdrücklich im Buche Deuteronomium.

Aber nicht nur die Bibel, sondern auch manche Dichter, die oftmals eine tiefe Ahnung besitzen vom Leben, - und den Lebenssehnsüchten im Herzen der Menschen, reden davon. Ich will hier nur Hermann Hesse erwähnen; in seinem Gedicht ,,Stufen" sagt er den folgenden Satz: ,,Des Lebens Ruf wird niemals enden!" Ich darf sagen: Mit diesen Worten spricht er präzise aus, was unsere christliche Lebenshoffnung ausmacht.

Wenn ich diese Worte des Dichters nachspreche, dann erinnere ich mich aber auch an die eindeutige Beobachtung der Menschheitsgeschichte; und es ist diese: Die Sehnsucht und die feste Hoffnung auf immer bleibendes Leben ist unausrottbar in den Herzen der Menschen verankert. - Und dann kommt mir der Gedanke: ,,Sollte eine so tiefe -durchgehende Sehnsucht der Menschen aller Zeiten unerfüllt bleiben?" Ich kann es mir nicht vorstellen!

Und wenn nun Jesus im Evangelium sagt: ,,Vater, verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche!" Dann ist das eindeutig eine Bitte um ewiges Leben. Denn nur indem er ewig beim Vater ist, verherrlicht er ihn! Und dann heißt es weiter im biblischen Text: ,,Du hast ihm - gemeint ist Jesus - alle Macht gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenke!"

Ich bin tief überzeugt, in diesen Worten spricht Jesus ganz deutlich aus, was seine tiefe Herzenssorge ist: Wir sind es, - Leben sollen wir haben, - Leben, das unsere tiefste Herzenssehnsucht erfüllt! Und das ist Ostern - das ist es, was für uns Ostern zu einem Lebensfest macht! - Nein, nicht die Hoffnung auf verlängertes Leben - vor kurzem gab es Meldungen, dass es der Medizin gelingen könnte, dass Menschen bald 120 Jahre alt werden! - Nein, die Hoffnung geht eindeutig auf ein bleibendes Leben, - ein Leben in Fülle, und das heißt auch auf ein sich lohnendes Leben!

Das aber, so sagt der Herr, ist das ewige Leben: ,,Dich den einzig wahren Gott zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast!" - Eine eindeutige Aufforderung, sich vertrauensvoll in die Hände des Herrn zu begeben, - und mit ihm zusammen in die Hände des ewigen Schöpfergottes.

Vertrauen, - vertrauensvolle Hingabe aber schafft Verbindung, Beziehung zwischen Gott und dem Menschen; der Mensch aber wird auf diese Weise angeschlossen an den Lebensstrom des Schöpfers, - er erhält Anteil an der Wirklichkeit Gottes, des Schöpfers! Gleichzeitig aber entkommt der gläubige Mensch auf diese Weise allen geschöpflichen Begrenzungen, - vor allem dem Tod!

Noch einmal möchte ich gleichsam zur Verstärkung unseres Osterglaubens und unserer Osterhoffnung auf ewiges Leben Worte und Bilder von Dichtern aufgreifen. Das kann uns in unserem Glauben stützen und bestärken. - Ein solches Wort lautet: Man muss an das Meer glauben! - Wenn immer einer an einem Fluss steht, - das dahin fließende Wasser beobachtet, - es kann ihm der Gedanke kommen: Alle Flüsse sind unterwegs zum großen Meer! - Auch ich bin unterwegs zum großen Meer - zu Gott, dem Urgrund allen Lebens!

Ein anderes Bild, - das vom Zugvogel, der an einem fremde Ort geboren wurde. Wenn aber der Winter naht, dann empfindet er eine geheimnisvolle Unruhe, einen einzigartigen Ruf in seinem Innern, - eine Sehnsucht nach der frühlingshaften Heimat, die er nie gesehen hat. Aber er bricht auf, - er fühlt, dass es sie gibt - die Heimat! Und noch ein Bild, das mich persönlich sehr beeindruckt, möchte ich ihnen mitgeben:

Es ist das Bild der Mutter, die ihr Kind in ihrem Schoß trägt. - Obwohl das Kind von der Mutter umgeben ist, - aus ihr lebt, - von ihr jeden Augenblick gehalten und getragen wird, sieht es von der Mutter nichts! - Erst wenn das Kind geboren ist, erkennt es diejenige, die ihm das Leben schenkte! - Es lässt sich, so meine ich, eine Parallele ziehen: Von Gott getragen und gehalten, - aus Gott leben, sieht der Mensch Gott auch nicht! - Erst nach dem Tod steht er dem gegenüber, der sorgend für ihn da war - und zwar in jedem Augenblick des Lebens! - Und aus dem Grunde haben Christen vom Tod oftmals gesprochen als die Geburt zum eigentlichen Leben!

Immer geht es um Leben: In der ganzen Botschaft der Bibel, - bei den tiefsten Sehnsüchten des Menschenherzens!

P. Johannes Kalmer SCJ

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