Warum geht eine Landratte in ein Fischerboot?
Gedanken zu Johannes 21, 2-3.
Es werden mehrere Jünger mit Namen genannt. Nur bei Natanael
steht noch dabei, wo er herkommt, nämlich ,aus Kana'. Und weil dies wohl
keine geläufige Bezeichnung ist, wird noch ergänzt ,in Galiläa'. Weshalb?
Wir können Natanael nicht mit einem anderen Natanael verwechseln, weil es nur
den einen im Zwölferkreis gibt. Warum taucht gerade nur bei Natanael der
Ortname ,Kana in Galiläa' auf?
Zum Verständnis der Tatsache, dass bei Natanael der Ortname auftaucht, müssen
wir den Zusammenhang beachten: Die Jünger wollen Fische fangen. Kana aber ist
kein Fischerdorf.
Aber auch die Landratte Natanael stimmt in den Chor der in der Fischerei
Erprobten mit ein, die zu Petrus sagen: "Wir gehen mit dir".
Natanael schließt sich den Fischern an, obwohl er nicht vom Fach ist. Ein
Einwohner von Kana auf einem Fischerboot, der steht ja nur im Weg rum.
Aber Natanael, einmal in den Jüngerkreis aufgenommen, kann
sich nicht mehr trennen. Er ahnt, dass er die meisten Chancen hat Jesus zu
begegnen, wenn er bei den anderen bleibt.
Er fühlt sich auf dem Wasser nicht zu Hause, im Kreis der Jünger aber ist er
daheim.
Es gibt im Leben viele Fremdheiten, wo man sich eben nicht zu Hause fühlt, aber
sich dennoch getragen weiß von einer Gemeinschaft, die ein daheim bieten kann.
Christen fühlen sich oft durch institutionell verordneten Strukturen in der
Kirche fremd. Sie verstehen so manches nicht im kirchenrechtlichen
Paragraphenwald und fühlen sich nicht ,zu Hause'. Aber in der Erfahrung
gemeinschaftlichen Miteinanders, im Erleben gemein-samen ,Lastentragens', in
gemeinsamen liturgischen Feiern fühlen sie sich daheim.