Für wen haltet Ihr mich?
"Für wen haltet Ihr mich", fragt Jesus alle, die sich nach ihm Christen nennen. (Siehe Matthäus 16,15) Die Antwort auf diese Frage entscheidet darüber, ob wir es in Wahrheit sind. Sie entscheidet über Sinn und Zukunft unseres Lebens.
Wer ist Jesus für mich?
- Mehr ein idealer Mensch, oder der Mensch, in dem Gott sichtbar in diese Welt gekommen ist?
- Mehr eine Vorbildfigur, oder der Gottmensch, der mich total und radikal in Anspruch nimmt?
- Steht er in der Mitte oder am Rande meines Lebens?
- Was weiß ich von ihm?
- Informiere ich mich über ihn aus dem Evangelium und aus der Lehre der Kirche, oder weiß ich über ihn im Grunde nicht mehr, als in den Massenmedien veröffentlicht wird, oder die Öffentlichkeit von ihm hält?
Ich kann nicht Christ sein, ohne beständig nach ihm zu fragen, nach ihm zu suchen, mit ihm zu leben. Ich kann nicht Christ sein, wenn er nicht die Grundlage, die Mitte und das Ziel meines Lebens ist, wenn er nicht in allem maßgebend ist.
Wer nach Jesus fragt, kann die Frage nach der Kirche nicht ausklammern.
Nach der Kirche fragen, heißt: Jesus Christus in ihr suchen, der in ihr lebt und wirkt: Trotz der Ärgernisse, die mir die Kirche gibt, aber auch wegen der Menschenfreundlichkeit, die mir in ihr begegnet! Jesus hat die Kirche gewollt und - wenn Sie so wollen - dabei "in Kauf genommen", dass Menschen der Kirche sein Wort nicht hören, es verdunkeln und verfälschen. Kirche, das ist die Gemeinschaft der Heiligen und der Sünder! Dazu gehören wir alle, die wir uns zu Christus bekennen. Wer über das Versagen der Kirche klagt, muss sich selber einschließen. Nur dann ist seine Kritik echt. Nur dann darf und muss er kritisieren, wenn es ihm selbst um den tieferen Glauben und die größere Liebe zur Kirche zu tun ist. Wenn m an unter diesem Gesichtspunkt Kirchenkritik sieht, sieht sie auch anders aus.
Es hat niemals die vollkommene Kirche gegeben. Sie ist die heilige Kirche, weil Jesus Christus in ihr lebt. Sie ist die sündige Kirche, weil ihre Glieder nicht so leben, wie er gelehrt hat. Sie ist sündige Kirche, weil sie in Konfessionen gespalten und zerstritten ist. Immer aber ist es die Kirche, in der wir Christus begegnen: in seinem Wort und in seinem Sakrament.
Bekenntnis zu Jesus heißt auch Bekenntnis zur Kirche.
Es grüßt Sie
Pater Siegfried Coldehoff SCJ