Den Herrn suchen - sich vom auferstandenen Herrn finden lassen!

In aller Frühe machten sich die Frauen auf den Weg zum Grab des Herrn. So erzählt die Bibel. Klar waren sie in ihrem gemeinsamen Vorhaben: Sie wollten den toten Leib des Herrn salben, um ihn vor schneller Verwesung zu bewahren. Aber zu ihrer Überraschung fanden sie den Leib des Herrn nicht mehr im Grab. Sie gingen in die Grabhöhle hinein. Zwei Männer in leuchtenden Gewändern traten ihnen entgegen. Diese stellten die unerwartete Frage: "Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden!" - Und es wandelt sich jetzt bei den Frauen das klare Vorhaben der Salbung in ein Suchen des Herrn.

Damit ist etwas äußerst Bedeutsames zum Ausdruck gebracht, das auch für uns unerlässlich ist: Den Herrn suchen - ihn finden - oder sich finden lassen - und dann lernen, mit dem Herrn zu leben. Das war nicht nur eine entscheidende Aufgabe der Frauen, sondern aller Anhänger Jesu, insbesondere aber auch seiner Apostel. Das ist aber gleichfalls auch eine Aufgabe aller Christen - zu allen Zeiten! Und ich bin sicher, dass dies zwar eine bedeutsame, aber nicht leichte Aufgabe für uns Christen in unserer modernen Zeit ist. Denn unsere Welt ist ganz und gar auf die Wirklichkeit dieser Welt ausgerichtet; und sie ist oft so eindringlich, so vereinnahmend; versucht sich so ausschließlich als allein wichtig zu behaupten durch ein immer mehr an Dingen, - an materiellen Angeboten, - an Genüssen vielfältiger Art!

Ein wahrhaft suchender Mensch aber wehrt sich gegen die vereinnahmende Wirkung unserer Welt, - bleibt als Mensch offen für eine andere Wirklichkeit, - für die Wirklichkeit des Auferstandenen - für die göttliche Wirklichkeit! Im auferstandenen Herrn ist diese Wirklichkeit inmitten unserer Welt da, - vorhanden; ER, der Auferstandene, ist die Wirklichkeit Gottes!

Die beiden Emmausjünger erlebten Jesus als den Leben und Licht schenkenden Herrn; Maria von Magdala erkannte ihn, als er sie mit ihrem Namen ansprach; sie erfährt, dass er auch der ist, der den Einzelnen kennt und sucht. - Und der Apostel Thomas war einer, der sich vom auferstandenen Herrn finden ließ.

Machen wir uns auch auf den Weg, den Herrn mit liebendem Herzen zu suchen; - seien wir aber auch innerlich offen, uns vom Herrn finden zu lassen!

Pater Johannes Kalmer SCJ

 

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