Mit Hilfe Alter Kulturen die Bibel besser verstehenGedanken zur alttestamentlichen Lesung am zweiten Fastensonntag 2004:
Abraham ist vor allem eine theologie-geschichtliche Person,
die als Vater des Glaubens einen grundlegenden Platz einnimmt im Judentum,
Christentum und Islam.
Er ist gleichsam das Vorbild im Glauben schlechthin und Stammvater von
Nachkommen, die so zahlreich sind wie die Sterne am Himmel, die man nicht
zählen kann. Diese vielen unzählbaren Menschen müssen natürlich auch
irgendwo wohnen und so bekommt Abraham von Gott das Land zugewiesen, das damals
fast die ganze bekannte Welt umfasste, nämlich den sog. fruchtbaren
Halbmond,vom Grenzbach Ägyptens bis zum Euphrat in Mesopotamien.
Diese Verheißungen werden mit einem Bund zwischen Gott und
Abraham besiegelt.
Die Beschreibung des kultischen Ritus hört sich im Alten Testament so an:
"Und Gott sprach zu Abraham: Bring mir eine dreijährige Kuh, eine
dreijährige Ziege, einen dreijährigen Widder... Und er brachte ihm dies alles
und zerteilte es in der Mitte und legte je einen Teil dem anderen gegenüber...
Als nun die Sonne untergegangen und es finster geworden war, siehe, da war ein
rauchender Ofen, und eine Feuerflamme fuhr zwischen den Fleischstücken
hindurch. An dem Tag schloss der Herr einen Bund mit Abraham."
Die Zeit in der man die Ereignisse mit Abraham ansetzt, ist
die altsyrische Zeit.
ab 2000 v. Chr. In dieser Zeit war Mari am Westufer des mittleren Euphrat (heute
in Syrien nahe an der Grenze zum Irak) eine Stadt mit außerordentlichen
Beziehungen im Handelsnetz zwischen dem Mittelmeer, Anatolien (Türkei) und dem
heutigen Iran. Um 1930 v. Chr. herrschte in Mari König Zimrilim, in dessen
Regierungszeit der berühmte Königspalast von Mari entsteht, der schon zu
Lebzeiten des Herrschers als eines der Weltwunder gepriesen wurde.
Die alttestamentlichen Autoren scheuten sich nicht Kultriten
aus den Alten Kulturen der Umwelt zu übernehmen, um sie als Bilder für eigene
religiöse Aussagen zu verwenden.
Der Bund Gottes mit Abraham ist ein Treuebund, der auch bis in unsere Generation
hineinreicht. Auch für uns bleibt er eine Herausforderung. Was können wir
heute dazu beitragen den Treuebund zeitgemäß zu aktualisieren?