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Zur Geschichte des Herz–Jesu–Klosters

Erst mit Ende des 1. Weltkrieges 1918 – das Kaiserreich war erloschen, die Weimarer Republik ausgerufen – war es den Herz–Jesu–Priestern möglich, nach Deutschland zu kommen und Niederlassungen zu gründen. Zuvor waren deutsche Herz–Jesu–Priester überall an den Grenzen des deutsches Reiches (Niederlande, Luxemburg, Belgien, Österreich, Tschechien). In Zeiten des „Kulturkampfes“ aufgrund der Bismarck’schen Jesuitengesetze durften Jesuiten und Jesuitenähnliche Orden, wozu die Herz–Jesu–Priester gerechnet wurden, sich nicht auf Reichsgebiet niederlassen. 1878 waren die Herz–Jesu–Priester in St. Quentin/Frankreich von P. Leo Dehon gegründet worden.

Direkt nach dem Weltkrieg begann man nach Niederlassungen in Deutschland Ausschau zu halten und Neugründungen zu erkunden (Handrup, Düsseldorf, Martental, Freiburg usw). So stieß man in diesen Erkundigungen mit Hilfe von einigen Pfarrern im Neustädter Raum und mit Zustimmung des Speyerer Bischofs auf Neustadt/Haardt. Dort bot sich günstigerweise ein steiniges, ödes Gelände, das Gelände eines Steinbruchs zum Kauf an; es war in Konkurs gegangen. Von den ersten vier Mitbrüdern waren zwei ehemalige Kamerun–Missionare, die nach dem verlorenen Krieg aus der deutschen Kolonie Kamerun ausgewiesen wurden. Nach der Säkularisation gab es in der Pfalz damals nur zwei Männerklöster (die Minoriten in Oggersheim und die Kapuziner in St. Ingbert/Saar). Trotz der damals großen Zahl von Diözesanpriestern und trotz gewisser Vorbehalte gegenüber Klöstern waren die Herz–Jesu–Priester in Neustadt willkommen.

Das Gelände des bankrotten Steinbruchs oberhalb der Stadt an der Haardt war öde, die Behausungen waren extrem einfach, auf dem Gelände befanden sich nur zwei primitive Häuser: Ein schlichtes Wohn– und Verwaltungshaus der ehemaligen Besitzerfamilie Zwick und ein kleines Gartenhaus, dazu noch eine einfache, offene Halle, um die gebrochenen Steine zu bearbeiten.

Am 21. Oktober 1919 gab der Bischof von Speyer die Erlaubnis zur Gründung des Klosters. Der 28. Januar 1920 gilt als Gründungstag des Herz–Jesu–Klosters: Die erste Heilige Messe wurde in einer provisorisch hergerichteten Kapelle gefeiert.

Die genaue Zielsetzung und der Zweck des zukünftigen Hauses war noch nicht abgesteckt. Die Überlegungen gingen in Richtung eines Exerzitienhauses. Auch an die Ausbildung des Ordensnachwuchses war gedacht!

Ein extrem günstiger Umstand für das Bekannt werden des neuen Klosters und für die Präsenz von neuen Ordensleuten hier in der Vorderpfalz und später darüber hinaus war die Tatsache, dass die Patres in Kontakt kamen mit einem Lehrer und begabten Schauspieler, so dass auf dem ehemaligen Steinbruch–Gelände in den Jahren 1926 – 1929 mehrere große Schauspiele aufgeführt wurden: Mose – Der verlorene Sohn – Jedermann. In wenigen Jahren kamen mehr als 100.000 Menschen zu dieser Freilichtbühne.

Mit den Jahren entwickelte sich die einfache Niederlassung immer mehr zu einem bekannten Exerzitien– und Bildungshaus, zu einem geistlichen Zentrum, zu einem Ort, von wo man zur Volksmissionen aufbrach oder seelsorgliche Aushilfe tat. Am 8. Mai 1927 konnte ein erstes, einfaches Exerzitienhaus – die heutige Villa – und die Krypta einer späteren Kirche – unsere heutige Klosterkirche – eingeweiht werden. Inflation, Nazizeit und der zweite Weltkrieg verhinderten den weiteren Ausbau der ursprünglichen Planungen.

1941 wurde die ganz Entwicklung unterbrochen, das Kloster wurde als Hilfslazarett beschlagnahmt. In den Jahren 1940–1942 war Robert Schumann, der später mit Konrad Adenauer und Alcide de Gaspari entscheidende Fundamente zur späteren EU legte, im benachbarten Hotel Kohler interniert; er besuchte häufig die Gottesdienste im Kloster.

Am 1. Januar 1941 wurde die Herz–Jesu–Expositur errichtet, der erste Schritt zu einer künftigen Gemeinde für die Gläubigen auf der Hambacher Höhe. Am 1. Dezember 1959 wurde aus dieser Expositur die selbständige Pfarrei St. Pius. Von 1941–1959 nahmen Herz–Jesu–Priester die Seelsorge wahr. Seit 1982 ist ein Mitbruder Pfarrer von St. Pius.

In einem Gelöbnis im September 1944, in der Dramatik zu Ende des Krieges, weihten sich Kloster und Seelsorgegemeinde der Rosenkranzkönigin von Fatima. Seither halten wir jährlich von Mai bis Oktober die sogenannten Pilger– oder Fatima–Sonntage.

1957 wurde das Herz-Jesu-Kloster entscheidend erweitert mit dem Neubau eines großen Exerzitienhauses; 1973 begann ein zweiter großer Ausbau; 1979 folgte der Bau eines neuen Chores der Klosterkirche und des Konventsgebäudes. 1980 konnte die Kirche mit dem neuen, erweiterten Chorraum bezogen werden; der Altar wurde am 12. Dezember 1981 konsekriert. Zu einer großen Totalsanierung und Modernisierung des gesamten Hauses kam es 1994.

Über viele Jahre ist das Herz-Jesu-Kloster kontinuierlich gewachsen, von den bescheidenen Anfängen 1919 bis zum heutigen Erscheinungsbild

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