"Konnte herrlich beten!"

Am 9. August feiert die Diözese Speyer das Gedenken an die heilige Edith Stein als ein Fest. Die Diözese Speyer weiß sich nämlich dieser Heiligen besonders verbunden.
Am 1. Januar 1922 wurde sie in Bad Bergzabern in der Martinuskirche getauft, - wurde sie Glied der Kirche von Speyer. Wenige Jahre danach erhielt sie bei den Dominikanerinnen im Kloster St. Magdalena eine Anstellung als Lehrerin. 7 - 8 Jahre lebte und arbeitete sie dort. Als große Beterin haben sie die Schwestern von St. Magdalena erfahren.

Mit klarem Blick hat Edith Stein schon recht früh die bedrohliche Lage ihres jüdischen Volkes erkannt. Und sie ahnte scheinbar, dass ihr eine besondere Aufgabe zugedacht war, - eine Teilhabe am Leiden des Herrn. Wie es aber genau sein würde, das wusste sie nicht.

Um geschützter zu sein, war sie vom Kölner Karmel in den Karmel von Echt in Holland umgezogen. Aber eines Tages kamen sie - SS Leute - und holten sie zusammen mit ihrer Schwester Rosa ab. Für eine kurze Zeit wurden beide in ein allgemeines Sammellager gebracht, bevor sie nach Auschwitz abtransportiert wurden. Aus diesem Lager gibt es ein kleines, - wahrscheinlich auch das letzte schriftliche Zeugnis von Edith Stein. Die Worte lauten: "Konnte herrlich beten!" - Wenn Edith Stein das in dieser Situation schreibt, sogar mit der Betonung "Konnte herrlich beten", dann dürfen wir annehmen, dass sie betend die Nähe des Herrn erfuhr, - betend sich in der Herzenseinheit mit ihm befand. Und ich bin persönlich überzeugt, dass ihr diese erfahrene Nähe des Herrn erhalten blieb bis in die Gaskammer hinein, - bis in den Tod.

Das Gesagte möchte ich aber noch untermauern, in dem ich an das Wort erinnere, das Edith Stein sprach, als die SS Leute kamen, um sie abzuholen. Edith Stein war für diese Stunde innerlich vorbereitet, und darum war sie auch fähig, mit klaren Worten zu bekunden, wofür sie ging, warum sie alles anzunehmen bereit war. Sie sagte zu ihrer Schwester Rosa: "Komm, Rosa, wir gehen - wir gehen für unser Volk!"

Heilige bezeugen oftmals einen besonderen Aspekt der Nachfolge des Herrn. Hier ist es der folgende: Gott schenkt jedem Menschen den Ruf ins Leben; er hat aber auch jedem seine Sendung, seinen Auftrag gegeben. Darum muss der Einzelne persönlich mitarbeiten, - und das Herz muss bereit sein, den Auftrag, den Gott ihm zugedacht hat, immer deutlicher zu erkennen und anzunehmen!

Pater Johannes Kalmer SCJ

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