Mangel verwalten oder ganz neuen Aufbruch wagen !?
"Leutepriester in lebendigen Gemeinden" ist der
Titel eines Buches von innovativen Bischof Fritz Lobinger aus Südafrika, Paul
M. Zulehner, dem bekannten Pastoraltheologen in Österreich und Peter Neuner,
einem ausgezeichneten Dogmatiker aus Deutschland.
Anlässlich der Lesung aus dem 1. Korintherbief am 3. Sonntag im Jahreskreis C,
sollen Aspekte aus diesem Buch zum Weiterdenken und zum Handeln hinführen.
In seinem Brief an die Korinther vergleicht Paulus die Gemeinde mit einem Leib,
der nun einmal viele Glieder hat und nur in der Vielfalt eine funktionstüchtige
Einheit garantiert. Überaus anschaulich wird die Unverzichtbarkeit der
einzelnen Glieder herausgestellt, wobei die Glieder nicht in eine erste oder
zweite Klasse, bzw. in sehr wichtig und nicht so wichtig eingestuft werden.
Das Buch der drei nach vorn und in die Zukunft denkenden Theologen möchte den
Gliedern der "Leibgemeinde" neue Vitalität mit einem neuen
Priestertyp, den Leutepriestern zukommen lassen. Sie initiieren damit
einen ganz neuen Aufbruch im Amtsverständnis der Kirche. Der Pastoraltheologe
Zulehner und Bischof Lobinger charakterisieren die Leutepriester so:
"Sie werden für priesterliche Aufgaben in jener Gemeinde bestellt, aus der
sie kommen, und sie versehen ihr Amt immer als Team, nicht als Einzelne. Der
erste Schritt ist dabei nicht die Suche nach einer Priesterberufung, die im
Herzen der Einzelnen aufbricht, sondern es ist die Gemeinde, die
gemeindeerfahrene Personen sucht (viri probati) und sie für das Priesteramt
erwählt. Dazu werden diese vom Bischof in einem Gottesdienst in ein
gemeindliches Presbyterium hinein geweiht. Sie stehen der Eucharistiefeier vor
und leiten aus deren Mitte heraus ihre Gemeinde, indem sie diese in der Spur des
Evangeliums halten."
Die Leutepriester können verheiratet sein und üben ihren Dienst im
Normalfall ehrenamtlich aus.
Es wird natürlich weiterhin den Bistumspriester geben, der seinen Dienst
hauptamtlich ausübt und der aus dem Pool der ehelosen akademisch gebildeten
Männer kommt.
Diese Sicht über das Priesteramt ist inspiriert durch paulinische
Gemeindeberichte, die einen Gemeinde gründenden, missionarischen Priestertyp
kennen (Paulus selbst) und einen Gemeinde leitenden, dem Gottesdienst
vorstehenden Priestertyp (die Presbyter in Korinth).
Der Dogmatiker Neuner schreibt zu diesen neuen Überlegungen: "Aus
dogmatischer Sicht erkenne ich keinen Grund, die in diesem Buch entwickelten
Vorschläge, neben Amtsträgern im bisherigen Verständnis auch gemeindebezogene
und aus den Gemeinden kommende viri probati als Leutepriester zu ordinieren,
theologisch als nicht legitim zu erachten. Hier wird ein Modell entworfen, das
geeignet ist, derzeitige innerkirchliche Widersprüche zwischen Theorie und
Praxis zu überwinden, die theologisch tatsächlich als untragbar bezeichnet
werden müssen. Insbesondere zeichnet sich dieser Vorschlag dadurch aus, dass er
nicht aus der Notlage heraus für den Augenblick die kleinstmögliche Reparatur
vornimmt..." (Also keinen Mangel verwalten will!)
Es bleibt jetzt nur zu hoffen, dass dieser Entwurf, der ja in der
frühchristlichen Kirchen-ordnung sein Vorbild hat, nicht durch
verwaltungsrechtliche oder andere innerkirchliche Machenschaften auf der Strecke
bleibt, sondern für die Kirche fruchtbringend umgesetzt wird.