MISEREOR!

Ein lateinisches Wort, - ein Wort aus dem Munde des Herrn: "Mich erbarmt, - ich habe Mitleid!" Das Wort "MISEREOR" ist für katholische Christen seit vielen Jahren ein fester Begriff. Die Katholiken wissen, dass damit ein Hilfswerk gegen Hunger und Krankheit in der Welt gemeint ist. Die Aktualität dieses Anliegens muss ich nicht begründen; jeder weiß, dass diese Not nicht nur groß, sondern übergroß ist. - Leider! Das Hilfswerk nennt Zahlen der Hungernden und Kranken: "Ein Drittel der Menschheit lebt in absoluter Armut, 800 Millionen Menschen hungern!"
Wenn ich diese Zahlen lese, dann überkommt mich ein Grauen! Und doch weiß ich zugleich, damit ist ja noch längst nicht alle Not, alles Leid der Menschen benannt. Es gibt sogar viel Menschenleid und Menschennot bei Menschen, die an materieller Not nicht leiden.
Am 5. Fastensonntag, am 6. April werden die Katholiken um ihre Spende, um ihr Fastenopfer für das Hilfswerk Misereor gebeten. Die Katholiken waren in der Vergangenheit allgemein großherzig mit ihren Spenden. Das möchte ich mit Dank registrieren! Und doch meine ich zugleich: Wir müssen uns noch ganz anders fordern lassen! Denn dies ist in der heutigen Welt in der Tat ein bedeutsames Zeichen: Dass wir Christen in dieser Weise Anteil nehmen am Schicksal, am Leid, an der Not anderer Menschen! Aber wir möchten eigentlich auch andere anregen, sich uns anzuschließen.
Misereor, - ich habe Mitleid! Das muss eine Gesinnung, - das muss eine beständige Herzenseinstellung sein. Das müsste jeden Christen durch und durch prägen. Unser Herr und Meister war in seinem Herzen von Erbarmen, - von erbarmender Liebe bestimmt!
Angesichts der heutigen Weltsituation, - und ich denke an erster Stelle an Kriege, - aber nicht nur im Irak und zwischen Israel und Palestinensern; ich denke auch an den Krieg im Sudan, in Ländern Afrikas, - und ich denke ebenso an Gewalt, Brutalität, an Egoismus, - an soziale Ungerechtigkeit, - an alleingelassene, an vereinsamte alte Menschen!
Diese Zeichen der Zeit fordern uns heraus, uns Gedanken zu machen, ein neues und tieferes Verständnis zu gewinnen, wie eng Frieden, Friedensgesinnung, Versöhnung und Erbarmen und Barmherzigkeit konkret ineinander greifen. Es gilt, noch viel tiefer der Gesinnung unseres Herrn und Meisters auf die Spur zu kommen!
Auch auf Folgendes möchte ich aufmerksam machen: Dass wir uns neu bewusst machen, es geht darum, dass jeder mehr begreift, versteht: Einander müssen wir unbedingt Lebenshelfer sein! Das ist ein wesentlicher Aspekt, uns selbst wahrhaft zu verwirklichen, uns zu entfalten, sinnvoll zu leben! Selbst müssen wir erleben und bezeugen: Der Eine braucht den Anderen! - Schon der Prophet Jesaja sagt uns: "Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, - und deine Wunden werden schnell vernarben! - Deine Gerechtigkeit wird dir vorangehen, - wenn du die Fesseln des Unrechts löst, - die Stricke des Jochs entfernst, - den Versklavten in die Freiheit hilfst, - den Hungrigen dein Brot brichst, - den obdachlos Armen in dein Haus aufnimmst, - wenn du einen Nackten bekleidest und du dich deinen Verwandten nicht entziehst!" (Jes 58)
In diesen wenigen Worten wird uns konkret aufgezeigt, was es heißt, Mitleid, Erbarmen zu haben! Solches Verhalten fördert friedliches Zusammenleben! Und der, der sich damit wahrhaft einlässt, der wird erleben, wie er selbst aufblüht!

Pater Johannes Kalmer SCJ

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