Nur wer sich bindet erfährt Freiheit (nach Josua 24,16-17)

Es gibt Urerfahrungen, die der Menschheit eingeschrieben sind und die auch bleiben, wenn sie von der Menschheit geleugnet oder verdrängt werden.
Die Kultur, die sich durch jüdisch-christliches Welt- Gottes- und Menschenbild prägen lässt, steht auf einem Fundament, dass keine andere ideologische Weltanschauung aushebeln kann.
Nur der Mensch selbst kann sich entziehen. Er schleudert sich damit aber in eine chaotische Freiheitsdimension hinein, der er nicht mehr gewachsen ist.
Der Gott Israels ist der Vater Jesu Christi und somit auch der Vater der Christen. Die tausendjährigen Erfahrungen mit diesem Gott ist eine Erlebniswelt, die in die Freiheit führt, aber nur dann, wenn man sich an diesen Gott bindet.
Ein Bild soll zur Verdeutlichung beitragen. Ein Drache kann sich im Herbstwind hoch in der Luft frei bewegen. Er kann auf und ab, nach rechts und links schwenken. Er kann aber Hindernissen, wie Telefonstangen oder Bäumen nur ausweichen, wenn er durch eine Schnur mit der Hand eines Lenkers verbunden ist. Wenn die Schnur, die Bindung, reißt, dann trudelt der Drache zwar vollkommen frei in den Windböen hin und her, aber irgendwann verfängt er sich in Telefondrähten oder Baumästen, ist gefangen und nicht in der Lage sich wieder zu befreien.
"Das sei uns fern, dass wir den Herrn verlassen..., denn... unser Gott war es, der uns...aus dem Sklavenhaus Ägyptens herausgeführt hat" heißt es im alttestamentlichen Josua-Buch.
Dennoch bleiben harte Fragen, wenn wir in unsere eigene und weltweite Lebenswelten hineinschauen. Die Liste der Unfreiheiten, die wir erfahren, will kein Ende nehmen. Gefangen in Existenz- Schuld- und Beziehungsnöten bleibt ein ewiges Schreien nach Rettung, Erlösung und Befreiung. In viele dieser Nöte gelangen wir, wenn wir uns religiösen Bindungen entziehen, die Glaubensdimension ausschalten und uns von selbstgemachten Göttern abhängig machen.
Es gibt Situationen, die auf den ersten - vielleicht vordergründigen - Blick den Menschen gefangen halten, die aber auf einen zweiten tieferen Blick hin eine große innere Freiheit aufleuchten lassen.

Pater Hans-Ulrich Vivell SCJ

  

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