Pfingsten -
Hochfest des Heiligen Geistes, der bleibenden Gegenwart Jesu Christi.
Das Hochfest eignet sich auch um zu zeigen, dass - nach der
hebräischen Bibel - weiblich mütterliche Symbole und Vorstellungen für eine
gültige und wahre Gottesvorstellung genauso geeignet sind wie männliche
Muster.
Das hebräische Wort für die Kraft, Dynamik und Energie Gottes ist
"ruach", ein weiblicher Begriff.
Die "ruach" bringt Neues hervor, schafft Weite, bringt etwas in
Bewegung, zeugt, gebärt und macht lebendig. Das hat etwas mit Geburt zu tun,
mit der Erneuerung des Angesichts der Erde. "ruach" ist das
"Gesicht Gottes", das sich dem "Gesicht der Erde" liebevoll
zuwendet, damit diese Welt leben kann.
In dieser "ruach" zeigt sich Jahwe wie eine Mutter, die sich der Erde
zuneigt, von Angesicht zu Angesicht. Diese göttliche Kraft (eine von den drei
Personen in Gott) feiern Christen am Pfingstfest. Die "ruach" schafft
die Verbindung zwischen Himmel und Erde, schafft die Verwirklichung der
Verheißung Christi, dass wir tiefer in die Wahrheit Gottes hineinfinden und
nicht aus ihr herausfallen.
In der Bibel sind die weiblichen, fraulichen und mütterlichen Wesenszüge in
Gott ebenso verankert wie die männlichen und väterlichen. Der Mensch ist als
Ebenbild Gottes. Und das ist er als Mann und Frau.
Von diesem Ansatz her sollten wir in der Kirche endlich die
Angst aufbrechen, damit ein wirklich partnerschaftliches Miteinander von Mann
und Frau möglich wird.
Gegenüber der Personengruppe "Männer und Frauen" ist die Kirche -
aus welchen Gründen auch immer - inkonsequent geblieben. Hier hat die Kirche
bestimmte Gnadengaben des Geistes für die Gruppe der Frauen gekappt und sie nur
für die Männer zugelassen.
Wir haben keinen Grund daran zu zweifeln, dass die "ruach", der
Lebensatem Gottes, Frauen und Männer zukommt. Er erweckt sowohl in Frauen wie
Männern die Geistesgaben, damit diese Gaben zum Aufbau der Gemeinden genutzt
werden.
So sind die Bemühungen der Theologinnen und Theologen, der Christinnen und
Christen, die sich um eine wahre geschwisterliche Kirche bemühen im Sinne eines
echt partnerschaftlichen Miteinanders sicherlich auch ein Werk des Hl. Geistes.
Dieser Aufbruch in der Kirche gibt Zeugnis von der bleibenden, vitalen Kraft der
"ruach", des Geistes Gottes, der gerade auch die weiblichen Züge im
Gottesbild deutlich macht.
Folgende Anrufung des Hl. Geistes ist uns in den "Akten des Thomas", einer außerbiblischen Quelle in der urchristlichen Kirche, überliefert. Dieses Gebet zum Hl. Geist ist von den fraulichen Zügen im Gottesbild geprägt:
"Komm, Geschenk des Höchsten,
Komm, vollkommene Barmherzigkeit,
Komm, Gemeinschaft mit dem Männlichen,
Komm, Heiliger Geist. Komm, Kennerin der Geheimnisse des Auserwählten,
Komm, Teilnehmerin an den Kämpfen des edlen Athleten,
Komm, Schatz der Herrlichkeit, Komm, Liebling der Barmherzigkeit des Höchsten,
Komm, Ruhe, die du die Großtaten der ganzen Größe offenbarst,
Komm, die du Verborgenes enthüllst und die Geheimnisse kudtust.
Komm, verborgene Mutter, Komm, die du durch deine Taten offenbar bist und Freude spendest und Ruhe für alle, die dir verbunden sind.
Komm und nimm mit uns teil an dieser Eucharistie, die wir in deinem Namen begehen, und am Liebesmahl, zu dem wir auf deinen Ruf versammelt sind."