Gottes Ruf wahrnehmen
(Gedanken zu den Lesungen vom 5. Sonntag im Jahreskreis: Jes 6,1-2a.3-6, Lukas 5,1-11)
Gottesbegegnung?
Keine ausdrückliche Forderung, kein Gesetz, keine Moralpredigt oder ein Bußruf lassen Jesaja und alle Prophetinnen und Propheten ebenso wie Petrus und die Jüngerinnen und Jünger ihre Berufung erfahren, sondern die Begegnung mit der Größe und Liebe Gottes. Jesaja erfährt die Herrlichkeit des Herrn im Tempel; Petrus darf oft die Zeichen der Größe und Güte Gottes erleben - im Sonntagsevangelium den reichen Fischfang.
Als Gott sich dem Jesaja zeigen will, als Petrus Jesus ins Boot mit hinein nimmt, da haben sie die Begegnung wahrgenommen. Glaubende Menschen sind offen für die Möglichkeit, Gemeinschaft mit Gott zu haben. Sie rechnen damit, dass Gott wirklich, wirksam in ihrem Alltag spricht. Sie haben Augen und Ohren des Herzens, auch die verdeckten Botschaften des Lebens und der Liebe wahrzunehmen. Bei Jesaja, Petrus und bei so manchen Frauen und Männern aller Zeiten finden wir dieses Gespür, diese Fähigkeit, Botschaften Gottes wahrzunehmen in der Natur und im Gespräch mit anderen: "Auf dein Wort hin..."

Anfrage an unser Leben
Was in den Schrifttexten des 5. Sonntags im Jahreskreis gesagt ist, gilt für uns als ernsthafte Anfrage an unser Leben. Wir nennen unser Kloster gern geistliches Zentrum. Wir möchten damit zum Ausdruck bringen, dass wir nicht nur Erwachsenenbildung anbieten möchten, sondern den Menschen mehr bieten.
Aber was heißt das? Wird hier auch nur etwas angeboten mit einem gut klingenden Schlagwort, das sich letztlich als Worthülse erweist? Hoffentlich nicht!
Ordensleute leben in der Nachfolge Christi, sie bemühen sich darum:
Zeichen der Nachfolge Christi als Gemeinschaft sind die Gelübde zu denen wir uns verpflichten

· Die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen: Die Vereinigung mit Christus in den Sakramenten und durch persönliche Askese will unser Herz frei machen und uns offen werden lassen für die Eingebungen des Heiligen Geistes und für die Begegnung mit dem Nächsten in geschwisterlicher Liebe
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Die Armut: Sie hält uns an nach einem einfachen und bescheidenen Lebensstil zu suchen, indem wir uns als Gemeinschaft verantwortlich wissen für den Gebrauch der irdischen Güter.
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Der Gehorsam: In diesen Gelübde wissen wir um die besonderer Verfügbarkeit aller, den Willen Gottes zu suchen. Wir bezeugen unseren Oberen Achtung und Aufrichtigkeit und arbeiten mit ihnen zusammen im Dienst an den Menschen, für das Gemeinwohl.

Natürlich sind wir dabei den Dingen dieser Welt gegenüber aufgeschlossen, doch wir sind auch versucht, dem Zeitgeist zu verfallen und Weltoffenheit mit fadenscheiniger Bequemlichkeit zu verwechseln. Oft ist es schwer zu entscheiden, was uns wirklich dient, oder was nur anziehend wirkt, aber am Leben vorbei geht.
An Jesus selbst, der uns in allen gleich war außer der Sünde kann man ablesen, dass Gottes Weg in die Welt hinein führt, in ihre Geschichte, in ihre Nöte, in ihre Zukunftshoffnungen in ihre Gemeinschaftsformen. Gott ist in unserer Welt präsent durch Menschen und geistliches Leben zielt ab auf das Leben bei und mit dem Menschen im Alltag; es versucht bestimmte Lebensumstände in ihrer Bedeutsamkeit wahrzunehmen und geistlich zu leben.

Nicht nur "Geistliche Berufungen"
Dies ist nicht nur etwas für Ordensfrauen oder Ordensmänner, Priester oder in der Kirche Tätige. Eine solche Berufung trifft jede und jeden von uns für den je eigenen Lebensraum. Und sie geschieht nicht um ihrer selbst willen oder um des einen Berufenen willen, damit er "heilig" werde, sondern sie geschieht für die Vielen: Jesaja wird geheiligt und gesandt, die Rettung eines heiligen Restes im Volk zu verkünden. Petrus und seine Freunde vom See werden "Menschen fangen" - auffangen, retten wie in einem Sicherheitsnetz.
Haben Sie darüber nachgedacht, was Gott mit Ihren vorhat, wozu er Sie beruft?

Es grüßt Sie 
Pater Siegfried Coldehoff SCJ

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