Das Gleichnis von den Talenten (Mt 25,14-30)
Bert Brecht hat in Anlehnung an das Gleichnis von den Talenten seine ,,Ballade vom Pfund" geschrieben. Dort dichtet er:
,,Und sieht man's denn nicht stündlich
auf Erden weit und breit,
dass Gott dem, der nicht gründlich
mitwuchert, nicht verzeiht?
Nur, die kein Pfündlein haben,
was machen denn dann die?"
Aber das Gleichnis von den Talenten oder Pfunden will nicht den Wucher gutheißen oder die Profitgier rechtfertigen. Es will zeigen, wie das Leben gelingt, und wie wir uns selbst am Leben hindern können. Jeder von uns hat Talente bekommen, jeder ,,nach seinen Fähigkeiten". Davon geht auch das Gleichnis aus. Den, der nichts mitbekommen hat, gibt es nicht. Wir wissen aber nicht, wie viel Talente jemand bekommen hat, und wie er damit wuchert. Wir können deshalb auch nicht vergleichen..
Doch viele von uns haben eine ähnliche Sicht von unserem Leben wie der dritte Knecht, mit dem wir spontan Mitleid haben. Wir vergleichen uns mit anderen und fühlen uns benachteiligt. Wir wollen, wie der dritte Knecht, vor allem keinen Fehler machen. Weil der dritte Knecht keine Kritik erfahren will, weil er fehlerfrei durchs Leben gehen möchte, vergräbt er sein Talent: "Wer nichts tut, kann auch nichts falsch machen." Aber das stimmt eben nicht. Wer nichts tut, macht alles verkehrt. Der Knecht möchte alles kontrollieren. Aber wer alles kontrollieren will, dem gerät das Leben todsicher außer Kontrolle. Jesus möchte uns sagen: ,,Wenn du alles kontrollieren willst, wenn du deine ganze Energie darauf verwendest, keinen Fehler zu machen, dann lebst du an deinem Leben vorbei. Das ist kein Weg des Lebens, sondern ein Weg der Selbstzerstörung. Dein Leben wird dann jetzt schon zur Hölle!"
Wie das Geld sich vermehrt, wenn wir phantasievoll damit umgehen, so können wir unsere Fähigkeiten entfalten, wenn wir der Liebe Gottes trauen. Wuchern Sie mit Ihren Pfunden.Es grüßt Sie
Pater Siegfried Coldehoff SCJPater Siegfried Coldehoff bietet auch in diesem Jahr wieder Adventsandachten an Donnerstags 16.00 Uhr in der Krypta des Klosters.
Beginn schon am Donnerstag, 28. 11.02