Fest der Taufe Jesu!
Wir aber fragen: Hat er das denn überhaupt nötig?
Nein, damit haben wir nicht gerechnet, dass Jesus zu Beginn
seines öffentlichen Auftretens an den Jordan geht zum Bußprediger Johannes, um
sich von ihm taufen zu lassen. Menschen, die sich von Johannes taufen ließen,
setzten damit ein äußerlich sichtbares Zeichen, dass sie innerlich bereit
seien zur Buße, zur Umkehr.
Und nun kommt Jesus auch an den Jordan. Er stellt sich in die Reihe der Männer
und Frauen, die in der Warteschlange stehen, um sich der Taufe durch Johannes zu
unterziehen. Uns drängt sich die Frage auf: Warum steht er dort, - inmitten
derjenigen, die aufgebrochen sind, ihre Sünden zu bekennen und Umkehr zu
geloben? - Ich bin überzeugt, dass es nur eine Antwort gibt: In seiner
Menschwerdung hat er das eindeutige Zeichen gesetzt, dass er in die Welt
gekommen ist, um wahrhaft einer von-uns und einer mit-uns zu sein, - um
allen Menschen solidarisch zur Seite als Lebensbegleiter und Lebenshelfer zu
sein. In seinem Gang an den Jordan setzt Jesus ein klares Zeichen, wie ernst er
sein Für-uns und Mit-uns meint. Keiner soll das Gefühl haben, dass er sich
über ihn stelle! Diener ihres Lebens will er sein: Besonders aber den Schwachen
und Hilfsbedürftigen, - denen, die unter persönlicher Schuld oder an ihrem
Lebensschicksal schwer zu tragen haben; allen will er der sein, der auch ihre
Kreuze mitträgt.
Aber Merkwürdiges geschieht, als Johannes Jesus tauft:
Beim Evangelisten Lukas steht: "Und während er betete, öffnete sich
der Himmel und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn
herab, - und eine Stimme aus dem Himmel sprach: "Du bist mein geliebter
Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden!" (Lk 3,21,22)
Das Geschehen und die gesprochenen Worte möchte ich folgendermaßen deuten: Der
Himmel, der ewige Gott und Schöpfer bestätigt Jesus in seinem Verhalten und in
seinem Auftrag. Und die Kraft des Heiligen Geistes kommt auf ihn herab; in
dieser Gotteskraft wird er befähigt sein, Gottes dienendes Werk der Erlösung
zum Heile der Menschen zu vollbringen. In Jesus Christus wird sogar Gottes
Lebensinitiative in der Welt in den Sakramenten immer gegenwärtig bleiben bis
zum Ende der Tage. Die Menschen sollen jetzt und zu allen Zeiten
unmissverständlich die gute Botschaft vernehmen: Euer Leben, - dein Leben mag
aussehen wie es will, aber du bist von Gott über alles geliebt!
Adressaten dieser Botschaft sind wir alle, jeder von uns. Jeder ist
angesprochen, Gott seine erbarmende Liebe zu glauben, - und es dann zu wagen,
sich ihm anzuvertrauen!
Pater Johannes Kalmer SCJ