Umkehren, neu beginnen und im Heute leben
Ein Kunstlehrer stellte einmal einer Klasse
eine grüne Flasche hin, mit dem Auftrag, sie zu malen. Die Schüler malten eine
Flasche und strichen sie grün an. Der Lehrer bat die Klasse dann noch einmal,
sich die Flasche unter seiner Anleitung anzuschauen. Da sahen die Schüler die
Flasche neu. Sie war auf der Licht abgewandten Seite dunkel., auf der
Fensterseite hell und leuchtend. Es spiegelte sich sogar das Fenster darin.
Mich erinnert das an die Art, wie manche
Menschen ihr Leben anschauen, nämlich eintönig, und je nach Gemütslage hell
oder dunkel.
Unser Leben ist vielfältig. Wenn Sie auf Ihrem persönlichen Weg auf Ostern
hin Ihr Leben noch einmal anschauen, wird es darauf ankommen, nicht nur das
Geschichtliche zu sehen. Spüren Sie vielmehr dem Erlebten von damals nach.
Beziehen Sie Stellung zu dem, was damals war, und befreien Sie sich auf diese
Weise nach und nach aus der Ohnmacht oder Wut, die Sie damals empfunden haben.
Diese Befreiung kann dazu führen, dass negativen Gefühle, die noch Ihnen
stecken, nach und nach schwinden. Je mehr sich ein Mensch überflüssiger Weise
schuldig fühlt, desto weniger glaubt er, wert zu sein. Je wertloser er sich
fühlt, desto mehr Angst entwickelt er, im Leben nicht bestehen zu können. Und
je mehr er sich ängstigt, umso aggressiver wird er; umso eher verletzt er
andere Menschen. Dadurch wird er dann wirklich oder/und wieder schuldig.
Im Heute leben! Wer unter seiner Vergangenheit leidet, der sollte sich in
erster Linie, um seine tatsächlichen und gegenwärtigen Mängel,
Versäumnisse und Fehler kümmern, die "Bestien, die im Keller seiner
eigenen Seele" sind. Dann geschieht das Unerwartete! Er übersieht das
Missliche zwar nicht, blendet seine Vergangenheit nicht einfach aus, aber er
lebt in der Gegenwart und tut das, was hier und jetzt als Aufgaben und
Möglichkeiten in den wechselnden Lebenssituationen gefordert und angesagt sind.
Eine nachdenkliche Zeit wünscht Ihnen
PaterSiegfried Coldehoff SCJ
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