Jesu Brotvermehrung am See Genesaret (Johannes 6,1-15)
Brot ist etwas Besonderes
Bei allem Überfluss und bei allen Fast-Food-Ketten, die uns zu jeder Tages- und Nachtzeit mit Speise versorgen, bleibt es etwas Besonderes frisches Brot auf dem Tisch zu wissen, frisches Brot zu essen. Brot steht in unserem Sprachgebrauch darüber hinaus für all das, was wir zum Leben brauchen. Brot haben bedeutet: Satt sein, versorgt sein.
Brot teilen, Leben teilen!
Sein Brot zu teilen, ist mehr als nur ein Stück Brot aufteilen. Mit dem ich mein Brot teile, mit dem teile ich ein Stück Leben, mit dem teile ich meine Gedanken und meine Hoffnungen, den lasse ich an meinem Leben teilhaben. Auf dem Weg durch die Wüste, nährte Gott sein Volk mit Manna, dem Brot der Wüste, mit dem Himmelsbrot. Die Sehnsucht richtete sich auf das gelobte Land, in dem Milch und Honig fließen, in dem die Felder und Auen grün und fruchtbar sind. Viele Menschen, die Jesus gefolgt sind, kannten die Erfahrung vom kargen und eingeschränkten Leben, wussten, wie es ist, mit nicht mehr als dem gerade Notwendigsten durchkommen zu müssen.
Die Brotvermehrung ist ein Zeichen.
Das Johannesevangelium spricht bei dem Ereignis der Brotvermehrung von einem Zeichen. Wunderbare Ereignisse wie Jesus gewirkt hat, um deutlich zu machen, dass er das Heil des Menschen will, werden im Johannesevangelium Zeichen genannt. Zeichen geben und Orientierung dienen dem Menschen auf seinem Lebensweg. Über ihre vordergründige Bedeutung hinaus haben Zeichen auch einen tieferen Sinn. Wenn ich jemandem einen Blumenstrauß überreiche, geht es mir nur vordergründig um die Blumen. Viel mehr geht es um die Aussage, die ich damit verbinde: "Ich wünsche, dass es Dir gut geht", zum Beispiel.

Solcher Zeichen zwischen Menschen gibt es viele. Ihre Bedeutung geht über den materiellen Wert hinaus: Etwa ein Bild, das ich verschenke, oder Ringe, die Liebende tragen. Zeichen wollen erkannt und gedeutet werden. In besonderen Situationen sagen wir daher oft: "Hier muss ein Zeichen gesetzt werden, damit klar wird, worum es geht." Jesus deutet in der "Brotrede" die der "Brotvermehrung" folgt, das Zeichen.

"Brotbrechen" ist "Communio."
Das Brot, mit dem Jesus den Hunger des Menschen stillt, ist auch ein Hinweis auf das Geheimnis der heiligen Eucharistie. Das Essen des Brotes soll hinführen zur geistigen und geistlichen Vereinigung mit dem auferstandenen Herrn und seinen Gläubigen, zur Gemeinschaft ("Communio") mit Christus und untereinander. Die Gabe, die Gott uns schenkt, wird für uns zur Aufgabe. Wer miteinander Mahl feiert, sorgt füreinander. Mahl halten ist Lebensgemeinschaft. Hier wird auch die Nahtstelle zwischen Gottesdienst und Alltag erkennbar. Jede Gottesbegegnung in der Eucharistiefeier soll uns für die Begegnung mit den Menschen stärken, und umgekehrt soll das Alltagsleben der Menschen mit all seinen Dimensionen in den Gottesdienst der Kirche einmünden zur Verherrlichung des Vaters. Jesu Brot ist Brot für das Leben der Welt.

Es grüßt Sie

Pater Siegfried Coldehoff SCJ

zu anderen interessanten Texten und Links