"Was sollen wir tun?" (Lk 3,10)

Von dieser Frage bedrängt gingen die Leute damals hinaus an den Jordan zu Johannes dem Täufer. Er galt als Bußprediger. Und das heißt: Er forderte die Menschen auf, endlich damit anzufangen, anders zu denken; eine Umkehr, eine Wende in ihrem Leben zu vollziehen.

Auch heute fragen die Menschen: Was sollen wir tun? Jeder weiß, dass es heute sogar Fragen in einer unübersehbaren Fülle gibt. Fast weiß man gar nicht mehr, was noch nicht in Frage gestellt wird! Praktisch: In der allgemeinen Politik, - im Gesundheitswesen, - in der Rentenversorgung, - im Abbauen des großen Schuldenbergs, - bei der Ratlosigkeit gegenüber der großen Zahl der Arbeitslosen, - immer steht die Frage im Raum: Was sollen wir tun? - Und wenn ich an das Schul- und Bildungswesen denke, dann habe ich den Eindruck: Es ist ein suchendes, tastendes Fragen und Ausprobieren, aber ein radikales Umdenken ist nicht zu beobachten. Vor kurzem las ich bei Peter Seewald folgenden Satz: ,,Die Vorstellung, man könne sein Leben frei zurecht schneiden wie ein Regisseur seinen Film, setzt gewaltige Luftschlösser in die Welt!" Da aber kam mir der Gedanke: Ob nicht manche in den letzten Jahren gebauten Luftschlösser die Ursache sind für viele Fragen, die nun einfach im Übermaß da sind?

Mein Rat:
Gehen wir doch auch - wie die Leute damals - zum Bußprediger Johannes. Seine Antworten scheinen mir nicht überholt zu sein. Vielmehr könnten sie uns für unser Umdenken die Grundrichtung weisen. Hören wir, was er sagt: ,,Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat!" - Ist diese Antwort nicht klar, unmissverständlich? Aber wir wollen uns den Rat des Johannes genauer anschauen: Denn dem Täufer geht es ja um das andere Denken, - die andere Lebenseinstellung. Ich dachte, als ich den Rat des Johannes las: Kein Zweifel, sein Rat greift radikal in ein heute weit verbreitetes Denken ein! Denn so sagen doch viele, - so denken doch viele: Haben muss einer, - viel Haben, dann kann er sich persönlich all das leisten, was er haben will! Und: ,,Haste was, dann biste was!" - Ganz anders die Hand, die buchstäblich in zwei Hälften teilt - und die eine Hälfte verschenkt! Das setzt ein fühlendes Herz voraus, das des Anderen Mangel wahrnimmt. Die innere Kraft des Teilens bezeugt eindeutig ein waches und weites Herz! Der so handelnde Mensch hat einen anderen Geist, ein neues Denken ist ihm zu eigen! Für den Täufer scheint aber dieses Denken wie ein Fundament zu sein für die Beantwortung so vieler Fragen des Lebens in der Gesellschaft.

Und darum fügt Johannes der eben zitierten Antwort noch etwas hinzu, was diese sogar ganz aktuell macht. Er sagt: ,,Und wer zu Essen hat, der mache es genauso!" Vielleicht denkt einer: Warum ist das besonders aktuell? Meine Antwort: Noch vor wenigen Tagen hörte ich am Rundfunk: Es sind viele Millionen Menschen, die auf der Welt hungern, - es sind wahrhaft Millionen, die vor Hunger sterben! - Ich bin fest überzeugt: Der Täufer Johannes mahnt mit diesen Worten an die ernste Mitverantwortung des Einen für das Leben und Überleben des Anderen! Aus einer Verantwortung füreinander aber erwächst Gemeinschaft, - es werden Wege des Friedens damit beschritten. Christen aber sollen in der Welt - wie Johannes -Wegbereiter sein! Advent ist die Zeit, sich darauf neu zu besinnen!

Pater Johannes Kalmer SCJ

 

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