Werbung für die "neue Mathematik" Gottes ( nach Mt 20,1-16a)

 

Es gibt in der Bibelgeschichte von den Arbeitern im Weinberg keine Abrechnung, wie es bei Geschäftpartnern üblich ist. Ein Riegel verschließt die Schublade des Leistungs- und Lohndenkens, wo das Nachrechnen, das Verrechnen und das Aufrechnen die ausschlaggebende Rolle spielen. 

Die Ordnung, die auf unbedingter Entsprechung von Leistung und Lohn beruht, wird außer Kraft gesetzt. Jesus sagte es den damaligen und sagt es auch heute denen, die Gott in eine Lohnordnung einbinden wollen, dass die Ordnung Gottes die der Barmherzigkeit ist.
Die Botschaft der Geschichte lautet: So gütig, wie jener Weinbergbesitzer, handelt Gott, wenn er Sünder begnadigt.Damit wendet sich Jesus gegen eine starre Vergeltungslehre, nach der eine absolute Entsprechung zwischen Leistung und Lohn besteht und nach der die Religion zu einem Rechtsverhältnis wird und zu einer Sache von menschlicher Leistung. 

Jesus betont die souveräne Freiheit Gottes gegenüber allem menschlichen Rechnen, Rechten und Pochen auf die eigene Leistung. Er betont die unbegreifliche Güte Gottes, die alle menschlich entworfene Gerechtigkeit weit übersteigt.
Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg lehrt eine entscheidende Offenbarung über die Grundbeziehung des Menschen zu Gott. Das "Gesetz der Waage", das Abwägen, wird aus den Angeln gehoben. Denn wer dieses Gesetz auf das Gottesverhältnis anwendet, der legt auf die eine Waagschale seine religiöse Leistung und erwartet, dass er gerechtfertigt ist, weil Gott auf die andere Waagschale den verdienten Lohn legen muss.
Dagegen macht Jesus deutlich: Auch die, welche keine Ansprüche stellen können oder wollen, bekommen das, was sie brauchen als Geschenk, nicht als Verdienst. 

Es geht hier um die "neue Mathematik" Gottes: Nicht die Waage (Leistung, Recht, Lohn, Sicherheit, Anspruch), sondern das Herz (Begnadigung, Geschenk, Vertrauen) gilt im Reich Gottes. Die Gottesbeziehung - wie Jesus sie zeigt und lehrt - soll ohne jeden Anspruch, ohne jede Sicherheit auskommen. Gefordert ist einzig und allein das Risiko des Vertrauens, dass Gott eben Leben schenkt, ganz gleich, wie spät einer kommt.

 Wir alle würden wohl auf der Strecke bleiben, wenn wir in unserer Gottesbeziehung unser Rechtsempfinden zugrunde legen würden!

Pater Hans-Ulrich Vivell SCJ 

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