Die Große Woche!
Es ist ein anderes Wort für "Karwoche". Das Wort "Groß" will besagen: Es ist eine sehr bedeutsame Woche in Bezug auf das, was wir Christen begehen, - was wir glauben und als frohe Botschaft feiern. Ich möchte diese Überlegungen unter ein Wort stellen, das Paulus der Gemeinde von Korinth schrieb, - und heute uns sagt. Es lautet: "Wir verkünden Christus als den Gekreuzigten!" (1 Kor 1,23)
Vielen Christen ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sie in ihrem Haus ein Kreuz hängen haben. Ich möchte fragen: Haben wir uns nicht weithin an das Kreuz gewöhnt, so gewöhnt, dass es uns gar nicht mehr aufregt? - Aber dieses im Grunde schrecklich anzuschauende Bild ist eindeutig der Kern der frohen Botschaft. Kurz gesagt: Es ist das Zeichen der großen Liebe unseres ewigen Vatergottes.
Hören wir uns an, wie Paulus seine Botschaft vom gekreuzigten Jesus Christus als die neue, frohmachende Botschaft Gottes verkündet, - und zwar als die wahre - einzig wahre Lebensmacht. Er sagt: Wenn ihr darzulegen versucht, was Macht ist, dann tut ihr es auf eine ganz und gar menschliche Art und Weise. Und was Menschen sich unter Macht vorstellen, das übertragt ihr auf eure Vorstellungen von der Macht Gottes. Gott aber macht auf eine dramatische Art und Weise deutlich, dass er seine Macht und sein ausüben von Macht gänzlich anders versteht als die Menschen. Ja, angesichts menschlicher Machtvorstellung kann seine Vorstellung sogar als dumm und töricht erscheinen.
Wie aber sieht die Macht Gottes aus? Antwort: Sie zeigt sich in keiner Weise im Sinne der Unterwerfung, des Kleinhaltens, des Ausbeutens zum eigenen Nutzen und Vorteil; sie zeigt sich vielmehr in der Gestalt einer kraftvollen Liebe und Güte, - einer ganz und gar selbstlosen Liebe, die dient, - den Anderen annimmt, ihn bejaht, - zu ihm herabsteigt, um ihn emporzuheben; sie heilt, - sie ermutigt, - sie fördert das Leben, - sie schenkt umsonst. Ja, Gott zeigt seine Macht, indem er sich selbst zum Wohle der Menschen hingibt. Ihr Anliegen: Andere - uns ins Leben zu bringen!
Die Kraft einer solchen Liebe als Macht und Weisheit Gottes wird darin sichtbar, dass sie zum Sieg über den Hass führt! Hass aber ist ein Übel, das Leben zerstört, wie wir alle wissen. Gottes Liebe aber ist eine Macht und Kraft, Leben zu wecken, Leben zu fördern, neue Lebenskraft und neuen Lebensmut zu schenken.
Die Macht dieser Liebe wirkt sich aus als Licht, das die
Finsternis erhellt und die Enge der Angst überwindet; und sie schenkt dem, der
sich ihr anvertraut, Geborgenheit in Gottes bergenden Vaterarmen. - Ja, Die
Liebe Gottes zeigt ihre Macht und Weisheit auch darin,
dass sie die Sünde - jede Sünde - und sogar den Tod überwindet. Sie nimmt
den Menschen an die Hand und führt ihn ins Ostern - in ein ewiges Ostern!
Gottes Liebe ist eine Macht und Weisheit, ist eine Lebensinitiative, deren sichtbares Zeichen der gekreuzigte Jesus Christus ist!
Und sie möchte uns auch nicht nur beschenken, - uns nicht nur verhelfen zum österlichen Leben, sondern uns auch aufwecken und bewegen, auf die Macht der Liebe, der Güte, des Erbarmens, - des Mitgefühls, des Mitleidens zu setzen. Auf diese Weise werden wir selbst österliche Menschen und österliche Handlanger Gottes in der heutigen Welt!
Pater Johannes Kalmer SCJ