Zuwarten? Du, dessen Rechte
alle Reiche
einzig leitet,
zeig deinem Volke deine große Macht
Gewähre ihm das langersehnte Heil.
Du den des Sehers Mund weissagend kündet,
Hoch von des Himmels heller Burg
steige herab auf unsere Erde,
Jesus, Herr.
(Aus dem Stundengebet der Kirche in der Adventszeit)
Die Kirche betet so im Stundengebet.
"Hilft denn angesichts des Elendes in der Welt nur noch beten?
Und trauern und dann die Hände in den Schoß legen?" frage ich mich.
Krisen- und Hungergebiete gibt es genug auf der Erde. Auch in unserer Gesellschaft wächst die Kluft zwischen Arm und Reich immer mehr. Die einen müssen anscheinend nur warten, bis ihr Vermögen sich weiter vermehrt, die anderen warten ängstlich darauf, dass ihnen die Zuwendungen, z. B. die medizinische Versorgung, die Rente.... gekürzt wird. Manchmal möchte ich einfach die Hände in den Schoß legen. Soviel Ohnmacht schleicht sich ins Lebensgefühl. Dann bleibt nichts weiter als zuzuwarten. Zuwarten nennt man das, wenn ein Mensch untätig wartet. (Duden) Und dieses ohnmächtige Zuwarten ist dann ja wahrhaftig kein Grund zur Freude und froher Erwartung.
Bei der Erwartung des Herrn geht es allerdings um etwas anderes als um geducktes Zuwarten. Es geht im Advent um Umkehr, um Veränderung des eigenen Handelns, um dem Strafgericht Gottes zu entgehen und teilzuhaben an der neuen Erde. Die Kraft dazu, die Energie dafür bekomme ich tatsächlich von Gott geschenkt. Da kann ich wirklich fast den Händen in den Schoß legen. "Wir erwarten (aber) einen neuen Himmel und eine neue Erde, worin Gerechtigkeit wohnt, nach Gottes Verheißung" (vgl. 2 Petr 3,13). So formuliert es der 2. Petrusbrief. Der Glaube an diese Verheißung macht mir Mut, mein geducktes, ohnmächtiges Zuwarten in ein aufrechtes aktives Warten zu verändern. Der neue Himmel und die neue Erde sind mir verheißen. Ich glaube, dass Gott das so vorhat, daher halte ich es auch für möglich. Das biblische Versprechen gilt: Gott wird alles neu machen, und er wird abwischen unsere Tränen. Da sagte mir einmal ein Mönch, und er lächelte dabei verschmitzt:" Ja, das soll wohl sein, dass Gott alle Tränen trocknen wird. Aber das soll uns Menschen nicht daran hindern, immer ein Taschentuch dabei zu haben, damit wir die Tränen schon heute trocknen können." Aus diesem neuen Himmel und dieser neuen Erde wachsen mir Kraft zu, die Hände aus meinem Schoß zu holen und die Hände aus den Hosentaschen zu nehmen, damit die Tränen schon heute Trost finden. Ein erste Schritt könnte es sein, dass ich die politisch Verantwortlichen ins Gebet nehme. Und das meine ich durchaus doppeldeutig, denn ich will mich mit einfach damit abfinden, dass bei aller Hoffnung und Vorfreude auf die kommende Welt, in der gegenwärtigen Menschen ohnmächtig und hilflos zugrunde gehen.

Ich wünsche Ihnen einen nicht nur besinnlichen Advent.

Ihr Pater Siegfried Coldehoff SCJ

 

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